Nachhaltigkeit

Dem Begriff der Nachhaltigkeit begegnen wir in unzähligen Facetten. Kernpunkt des Nachhaltigkeitsbegriffs ist dabei trotz der Unterschiedlichkeit der einzelnen Definitionsansätze der Gedanke, dass durch ein umsichtiges und verantwortungsvolles Verhalten nicht nur der aktuelle Nutzen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit sichergestellt wird. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Forstwirtschaft. Hans Carl von Carlowitz gilt als Vordenker des Nachhaltigkeitsbegriffs. Mehr als 300 Jahre ist es her, dass der sächsische Oberberghauptmann auf der Leipziger Messe sein Buch Sylvicultura oeconomica oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht vorstellte. Carlowitz beschreibt darin den „nachhaltenden“ Umgang mit dem Wald. Der steigende Bedarf an dieser Ressource in verschiedenen Industriezweigen wie dem Schiffs- und dem Bergbau führte im 17./18. Jahrhundert zu einer zunehmenden Abholzung der Wälder. Carlowitz erkannte, dass es eines bewussten Umganges und einer Schonung der Wälder bedurfte, um langfristig prosperierende Wirtschaftszweige und damit allgemeinen Wohlstand zu ermöglichen. So wurde der Grundsatz formuliert: Es darf nur das geerntet werden, was auch nachwächst.

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten der Implementierung sozialer, ökologischer und ethischer Aspekte bei der Vermögensanlage. Bei der Konzeption der Nachhaltigkeitsstrategie wurden die verschiedenen Ansätze – Ausschlussprinzip, Best in Class oder Engagement-Ansatz – mit Blick auf den Versorgungsauftrag analysiert. Sowohl das Ausschlussprinzip als auch der Best-in-Class Ansatz haben für unseren Versorgungsauftrag systematische Schwächen.

Wir haben uns daher für den sogenannten Engagement-Ansatz entschieden, also die Einflussnahme auf Unternehmen über Stimmrechte, da wir davon überzeugt sind, nur durch einen konstruktiven Dialog mit den Unternehmen unseren maximalen Einfluss ausüben zu können, um diese zum nachhaltigen Wirtschaften anzuhalten. Unser Auftrag als Treuhänderin erfordert es, optimale Renditen zu erwirtschaften und zugleich eine stabile, langfristig ertragreiche und sichere Kapitalanlagepolitik umzusetzen.

Der Engagement-Ansatz des „aktiven Investors“ entspricht auch am umfassendsten den Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment. In der Praxis bedeutet dies, dass wir auf allen Ebenen, die uns als Investor zur Verfügung stehen, den Gedanken des nachhaltigen Investierens fördern und fordern. Wir suchen dabei den Dialog mit allen unseren Geschäftspartnern und nehmen maximale Einfluss in allen Anlagebereichen, um ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der PRI-Richtlinien zu gewährleisten. Bei allen unseren Anlageentscheidungen ist es uns wichtig zu wissen, bei wem wir unser Geld investieren. So fordern wir vor jeder Investition eine angemessene Offenlegung der ESG-Faktoren bei den Gesellschaften, in die wir investieren wollen.

Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie wird durch die verpflichtende jährliche Teilnahme am „PRI Reporting und Assessment Survey“ überprüft. Dass sich das Versorgungswerk mit dieser Strategie auf dem richtigen Weg befindet, zeigen auch die Auszeichnungen im Jahr 2019. Nach Bewertung der Juroren der portfolio Verlagsgesellschaft ist die Bayerische Versorgungskammer der „Beste nachhaltige Investor“. In dieser Kategorie stehen die Integration und das Management von Kapitalanlagen nach sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien im Zentrum der Betrachtungen. Ähnlich sehen das die Experten, die die Preisträger bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auswählen: Sie zeichneten die Bayerische Versorgungskammer für die „ESG-Umsetzung 2019“ aus.  Die Anlagestrategie überzeugte die Jury in doppelter Hinsicht: Sowohl die gut eingespielten Prozesse, welche die Nachhaltigkeit von Investitionen überprüfen und soweit wie möglich gewährleisten, als auch die stetige Weiterentwicklung dieser Prozesse wurden vom ESG-Komitee hervorgehoben.

Mit der Mitgliedschaft beim Global Real Estate Sustainability Benchmark (kurz: GRESB) geht die Bayerische Versorgungskammer (BVK), welche die Geschäfte der Bayerischen Ärzteversorgung (BÄV) führt, einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltige Kapitalanlage.

GRESB ist das führende Bewertungssystem zur Messung der Nachhaltigkeitsperformance von Immobilienfonds. Es wurde 2009 von Pensionskassen in den Niederlanden initiiert und hat mittlerweile eine beeindruckende Marktpräsenz erreicht. In einer ganzheitlichen Analyse werden hierbei Aspekte aus den drei ESG-Kerngebieten Umwelt, Soziales und Unternehmensführung betrachtet und miteinander in Beziehung gesetzt.

Konkret werden jährlich u.a. Kriterien wie Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Abfallaufkommen ermittelt und innerhalb der einzelnen Fonds der von der BVK vertretenen Versorgungseinrichtungen und gegenüber den Wettbewerbern verglichen. Nachweisliche Anstrengungen, diese Werte zu verbessern, wirken sich ebenso positiv auf das GRSB-Ranking aus wie die Schulung und Information von Mitarbeitern und Mietern.

Künftig ist es somit möglich, die Nachhaltigkeit von Immobilien bis auf Objektebene systematisch zu evaluieren. Nachdem die BÄV inzwischen rund 25 % ihres Vermögens in Immobilien investiert hat, ist dies ein wichtiger Schritt, um auch in diesem Bereich Investitionen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu bewerten und weiter zu optimieren.

Indirekte Immobilienanlage: Innovatives Fondsprojekt in Frankfurt am Main

Im Frankfurter Stadtteil Gallus wird auf einem 51.000 m² umfassenden ehemaligen Industriegelände ein neuer Baukomplex verwirklicht. Das Projekt wurde für einen Immobilienfonds erworben, an dem die Bayerische Ärzteversorgung sowie die anderen von der Bayerischen Versorgungskammer verwalteten Versorgungseinrichtungen beteiligt sind. Die gut 1.300 Wohnungen, von denen knapp 30 % öffentlich gefördert sind, verteilen sich auf vier Gebäude mit Innenhöfen und zwei weitere Gebäuderiegel. Hinzu kommen drei Kitas, sechs Spielplätze und, an einem zentralen Quartiersplatz, Gastronomie und Einzelhandel. Das Besondere an dieser Investition: Ein Rechenzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft liefert künftig den größten Teil der Heizenergie für das Stadtquartier – gewonnen aus der Abwärme von Hochleistungsrechnern.

Die hessische Finanzmetropole hat sich in den vergangenen Jahren zur Rechenzentrums-Hauptstadt Europas entwickelt. Und das nicht ohne Grund: Mit DE-CIX befindet sich hier der - gemessen am Datenfluss - größte Internetknotenpunkt der Welt. Der Rechenzentrumsausbau hat eine enorme wirtschaftliche Bedeutung, birgt als Kehrseite der Medaille allerdings auch erhebliche ökologische Klimabelastungen in sich. Die Rechenzentren in der Kommune verbrauchen mittlerweile mehr Strom als der Frankfurter Flughafen. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie wichtig der effiziente Einsatz von Energie ist, damit Digitalisierung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.

Das integrative Konzept des neuen BVK-Fondsobjekts ist in Frankfurt ein Novum und bietet gute Voraussetzungen für ein qualitätsvolles und zugleich nachhaltiges innerstädtisches Wohnen. Bis zum Jahr 2025 soll das innovative Projekt abgeschlossen sein, die ersten Teilabschnitte können voraussichtlich ab 2023 bezogen werden.

 

Direkte Immobilienanlage: Bürokomplex Arabeska in München

Die Bayerische Ärzteversorgung hat im Jahr 2015 in München-Bogenhausen einen 26.000 m² großen Bürokomplex eingeweiht, der sich durch ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept auszeichnet. Auf der Expo Real, der größten europäischen Fachmesse für Immobilien und Investitionen, wurde der Bürokomplex „arabeska“ mit dem Zertifikat in Platin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet. Grundlage für die Entscheidung waren vor allem die modernen Maßnahmen zur Energieeffizienz wie z. B. die Grundwassernutzung für Heizung und Kühlung (Geothermie) sowie die innovative Wärmeerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien. Das umfassende Qualitätskonzept schont nicht nur die Umwelt, es bietet darüber hinaus auch Vorteile für Kapitalanleger und Mieter, denn nachhaltige Immobilien stehen für niedrige Energiekosten und langfristigen Werterhalt.